Was für eine Freude jedes Jahr, wenn sich wieder die frischen weichen Maitriebe an den Fichten zeigen. Frisch und zitronig entfachen sie eine richtige Geschmacksexplosion im Mund, und das empfinde nicht nur ich so. Ich weiß noch, wie mein Sohn mal in die Küche kam und eine Handvoll zartgrüner Wipfel vor mir auf den Tisch legte:“Hier, Mama, ich hab dir was zum Naschen mitgebracht!“

Sie schmecken nicht nur gut, sondern enthalten auch viele Vitamine und ätherische Öle, die entzündungshemmend und schleimlösend sind und Husten und Halsweh lindern können.

Hustensirup

Ein Teil der gemixten Nadeln habe ich mit braunem Zucker in ein Glas geschichtet (die oberste und unterste Schicht soll Zucker sein). Das Glas steht nun im sonnigen Fenster und man kann fast zusehen, wie das Ganze zu einem dickflüssigen Sirup wird. Es sackt dabei zusammen und man kann mit anderen Kräutern wie Thymian oder Spitzwegerich weitere Schichten machen.

Wenn man nach einigen Wochen meint, daß es flüssig genug ist, kann man es abseihen und als Hustensirup verwenden. Oder, wenn man wie wir, selten Husten hat, ist es auch eine würzige Zugabe zu Süßspeisen – es muss ja nicht immer Ahornsirup aus Kanada sein!

Mittlerweile steht es ja gar nicht mehr gut um die Fichten hier im Westerwald, die Monokulturen des einstigen „Brotbaums“ der Waldbesitzer sind der Trockenheit und dadurch dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen und haben kahle Mondlandschaften hinterlassen.

Deshalb ernte ich auch nicht an den im Wald verbliebenen Bäumen, sondern vergreife mich jedes Jahr an Nachbars Hecke im Tausch gegen ein Glas Fichtenspitzensenf…

Fichtenspitzensenf

Zwei Handvoll Fichtenspitzen fein mixen, mit 150 g Senfmehl und 100 g angemörserten schwarzen Senfsamen, 250 ml Apfelessig und 200 ml Wasser über Nacht quellen lassen.

Am nächsten Tag 2 EL Honig, 2 Tl Salz und evtl noch etwas Wasser einrühren.

Aufkochen und einige Minuten unter Rühren köcheln lassen, dann noch heiß in sterilisierte Gläser füllen.

Nun muss er noch drei Wochen reifen und kann dann probiert werden.

Eigener Franzbranntwein ist ein wunderbares Einreibemittel.

Ich habe ihn schon im letzten Jahr hergestellt, und er hält sich ewig, weil ich den Ansatz mit 80% Alkohol gemacht habe. Den habe ich übrigens in einer Brennerei geholt, in der Apotheke bekommt man ihn aber auch.

In den Ansatz kamen natürlich Fichtenspitzen, kleine Zapfen hatte ich auch gefunden, Wacholderbeeren, Rosmarin und ein Pfefferminzzweiglein.

Das Ansatzglas locker gefüllt für 6 Wochen in der kühlen Vorratskammer ziehen lassen, dann abseihen und in eine dunkle Flasche füllen. Riecht supergut, irgendwie nach Kindheit bei meinen Urgroßtanten, die sich immer mal damit eingerieben haben. Ich nehme ihn z:B. gerne bei Muskelkater oder Verspannungen, also nicht EINnehmen, sondern zum Einreiben! Also nur äußerlich verwenden!!!

Oxymel

ist dafür was zum einnehmen und so lecker! Ein Teil frische Nadeln, ein Teil Apfelessig, drei Teile Honig mischen und drei Wochen kühl ziehen lassen. Ab und zu schütteln, der Honig setzt sich gern unten ab! Ich habe die fein gemixten Nadeln genommen, werde es also nicht abseihen, sondern so verwenden. Ein Schuss davon peppt Salatsaucen ungemein auf, mit Wasser ist es ein feines Sommergetränk, und 1-2 Löffel täglich sind gut für den Stoffwechsel.

Mein Mix-Glas habe ich übrigens mit Ingwertee ausgespült – auch eine gute Kombination!

Tja, und es waren immer noch Nadeln übrig – also ab damit in die

Sonntagsbrötchen

650 g Dinkelmehl 1050

100 g Haferkleie

1 Würfel Hefe

2 TL Salz

1 TL Brotgewürz

2 Tl Rübensirup

400 ml lauwarmes Wasser mit einem Schuss Essig

und eine Handvoll kleingemixte Fichtentriebe

Das Mehl in eine Schüssel geben, in die Mitte ein e Kuhle drücken und die Hefe darin mit etwas Wasser verrühren, etwas Mehl vom Rand darüber stäuben und zugedeckt 15 Minuten gehen Lassen.

Dann mit den restlichen Zutaten gründlich verkneten, zudecken und nochmal eine halbe Stunde gehen lassen.

In der Zeit ein Topping aus Kernen nach Wahl und evtl. auch noch Fichtentrieben mischen – letztere werden allerdings beim Backen braun, man sieht sie also nicht mehr.

Den Backofen auf 250° C vorheizen.

Nun den Teig in 12 Teile à ca. 100 g teilen, in der Hand zu Brötchen rollen (ich glaube, man nennt das ’schleifen‘), in Wasser tauchen und ins Topping stippen.

Ab aufs Blech damit, wer mag, kann sie mit einem scharfen Messer einschneiden, und bei 250° C 10 Minuten backen, dabei immer mal ansprühen, dann noch 10 Minuten bei 200° fertig backen.

Dies ist mein Grundrezept für schnelle Brötchen, welches ich immer mal wieder mit verschiedenen Mehlen und Zutaten variiere.

Darauf schmeckt übrigens auch eine Frischkäse mit etwas Quark, Fichtentrieben und Gundermann gemixt, oder ein Maiwipfelgelee, wofür man klein geschnittene Fichtenspitzen in der doppelten Menge Wasser aufkocht, über Nacht ziehen lässt, evtl abseiht und mit Gelierzucker und etwas Zitrone zu einem sehr geschmacksintensiven Gelee verarbeitet.

Aber zum Schluss noch ein Erkennungsmerkmal: die Fichte sticht, die Tanne nicht. Und die hochgiftige Eibe auch nicht! Das heißt, die Nadeln sollten spitz und pieksig sein und im Zweifelsfall fragt man lieber jemand, der sich mit Pflanzen auskennt!

 

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